Was ist wichtiger Sollzins oder Effektivzins?

“Der effektive Jahreszins bildet im Gegensatz zum Sollzins die jährlichen Gesamtkosten eines Kredits ab.” So oder ähnlich lauten zahlreiche Erklärungen im Netz zum Unterschied zwischen Sollzins und Effektivzins. Das stimmt so leider nicht.

Hier erfahren Sie, wie sich effektiver Jahreszins und Sollzins wirklich unterscheiden. Dazu zeigen wir Ihnen, wie Sie den Effektivzins selbst berechnen und wie Sie Raten- oder Immobilienkredite am besten vergleichen.

Inhalte dieses Beitrags [Verbergen]

  • Sollzins (Nominalzins)
  • Sollzins Definition
  • Gebundener vs. variabler Sollzins
  • Bonitätsabhängiger vs. bonitätsunabhängiger Sollzins
  • Sollzins Berechnung
  • Effektiver Jahreszins (Effektivzins)
  • Effektivzins Definition
  • Enthaltene Kosten
  • Gründe für Zinsunterschiede
  • Effektivzins Berechnung
  • Sollzins & Effektivzins berechnen mit Excel
  • Fazit

Für Schnell-Leser

  • Der Sollzins ist der Preis, den Sie für einen Kredit bezahlen.

  • Der Effektivzins enthält neben dem Sollzins weitere, aber längst nicht alle Kosten, die mit einem Kredit auf Sie zukommen können.

  • Im Vergleich Sollzins vs. Effektivzins ist der Effektivzins fast immer höher – auch ohne zusätzliche Kosten.

  • Für diesen Unterschied sorgt ein Zinseszinseffekt, der für Sie als Kreditnehmer aber keine Rolle spielt.

  • Sowohl Sollzins als auch Effektivzins eignen damit kaum für den Vergleich von Raten- oder Immobilienkrediten.

  • Wir empfehlen Ihnen, beim Kreditvergleich nicht nur auf die Zinsen zu achten.

  • Vergleichen Sie stattdessen die monatliche Rate und die Gesamtkosten sowie etwaige Einzelgebühren.

zum Kreditvergleich »

zum Baufinanzierungsvergleich »

Zinssatz Nummer 1

Der Sollzins (auch: Nominalzins)

Sollzins Definition:

Was ist der Sollzins?

Der Sollzinssatz ist der reine Kreditzins, den eine Bank dafür verlangt, dass sie Ihnen Geld leiht. Angegeben wird er in % p. a. – also als jährlich zu zahlender Prozentsatz des geliehenen Geldes.

Häufig wird der Sollzins auch als Nominalzins bezeichnet. In Ihrem Kreditvertrag dürften Sie allerdings nur den Begriff Sollzins finden. Das ist seit 2010 der gültige Rechtsbegriff.

Übrigens: Der Nominalzins ist auch bei der Geldanlage wichtig

Der Begriff Nominalzins findet sich (anders als die Bezeichnung Sollzins) auch in Sparverträgen, etwa für Tages- oder Festgeld. Dort steht er für die vertraglich vereinbarte Verzinsung – ohne Zinseszins.

Mit Zinsbindung oder ohne:

Worin unterscheiden sich gebundener Sollzins und veränderlicher Sollzins?

Das Gesetz kennt zwei Arten von Sollzinsen, die sich in der Dauer ihrer Gültigkeit unterscheiden:

  • Gilt der Sollzins für die gesamte Vertragslaufzeit, dann handelt es sich um einen gebundenen Sollzins (kurz geb. Sollzins). Teilweise ist auch vom festen Sollzins oder unveränderlichen Sollzins die Rede.

  • Passt sich der Sollzins flexibel an die Zinsentwicklung auf dem Markt an, so spricht man von einem veränderlichen Sollzins. Dieser wird auch variabler Sollzins oder ungebundener Sollzins genannt.

Bei Ratenkrediten ist der feste Sollzins Standard. Bei Immobilienfinanzierungen haben Sie mitunter die Wahl zwischen einer Sollzinsbindung – also einem Zinssatz, der für mehrere Jahre oder auch Jahrzehnte gleich bleibt – und einer variablen Verzinsung.

Gut zu wissen: “Variabel” heißt nicht “beliebig”

Bei einem variablen Darlehen kann die Bank den Zinssatz nicht beliebig ändern. Veränderliche Sollzinsen orientieren sich nämlich stets an einem Referenzzinssatz.

Häufig hängen die Zinsen etwa vom Drei-Monats-Euribor ab. Das ist der Zinssatz, zu dem sich Banken untereinander für die Dauer von 3 Monaten Geld leihen. Während dieser Zeit bleibt der Zinssatz gleich. Das gilt entsprechend auch für den Zins des variablen Darlehens.

Eine Frage der Kreditwürdigkeit:

Was bedeuten bonitätsabhängiger Sollzins und bonitätsunabhängiger Sollzins?

Die Höhe der Sollzinsen kann außerdem von der Bonität des Kreditnehmers abhängen:

  • Legt die Bank den Sollzins für jeden Kunden einzeln fest, handelt es sich um einen bonitätsabhängigen Zinssatz. Die Höhe der Zinsen hängt dann davon ab, wie die Bank die Kreditwürdigkeit des Kunden einschätzt. Wichtig sind dabei üblicherweise das frei verfügbare Einkommen, der Schufa-Score und gegebenenfalls zusätzliche Kreditsicherheiten.

  • Zahlen alle Kunden für den gleichen Kredit den gleichen Zins, spricht man vom bonitätsunabhängigen Sollzins. Einkommen, Schufa-Score und Kreditsicherheiten spielen auch hier eine Rolle, aber nur für die Frage, ob ein Kreditnehmer den Kredit erhält. Die Höhe der Zinsen ist davon nicht betroffen.

Was ist wichtiger Sollzins oder Effektivzins?

Einen bonitätsabhängigen Zinssatz erkennen Sie oft an der Angabe einer Zinsspanne oder – wie hier am Beispiel der Postbank – an dem kleinen Wörtchen “ab” vor dem Zinssatz. © Postbank

Wichtig: Im Netz ist häufig auch die Formulierung “bonitätsunabhängiger Kredit” zu finden. Das ist in der Regel nur eine unscharfe Formulierung für “Kredit mit bonitätsunabhängigen Zinsen”. Die Bonität eines Kreditnehmers wird von deutschen Banken immer geprüft, ehe sie einen Kredit vergeben.

“2/3 aller Kunden erhalten …”: Der Zweidrittelzins hilft beim Kreditvergleich kaum weiter

Damit Sie Kredite mit bonitätsabhängigen Zinsen vergleichen können, müssen Banken per Gesetz den Zweidrittelzins angeben. Dieser verrät, welchen Zinssatz mindestens zwei Drittel der Kunden höchstens zahlen. Klingt kompliziert? Ist es auch.

Unser Rat: Verlassen Sie sich beim Kreditvergleich nicht auf Zinsspannen oder den Zweidrittelzins. Holen Sie stattdessen persönliche Kreditangebote ein und vergleichen Sie dann die Kosten. Nur so erfahren Sie, welcher Kredit für Sie persönlich der günstigste ist. Das Einholen eines persönlichen Kreditangebotes ist kostenlos und unverbindlich.

Lesetipp

Was ist wichtiger Sollzins oder Effektivzins?

„2/3 aller Kunden erhalten“: Das sollten Sie über den Zweidrittelzins wissen

Alle wichtigen Infos zum Zweidrittelzins sowie Rechenbeispiele finden Sie in diesem Beitrag: Jetzt lesen »

Risiken, Referenzzinsen & Prognosen:

Wie wird der Sollzins berechnet?

Es gibt einige Faktoren, die bei der Festlegung des Sollzinses eine Rolle spielen. Dazu gehören:

  • Das allgemeine Zinsniveau (Referenzzinsen)
    Eine wichtige Berechnungsgrundlage sind Referenzzinssätze wie etwa der Leitzins der Europäischen Zentralbank (EZB) oder auch der oben erwähnte Euribor. Diese Zinssätze geben an, was die Bank selbst zahlen muss, wenn sie sich Geld bei der Notenbank oder anderen Geschäftsbanken leiht. Damit sich der Kredit für die Bank auch lohnt, liegt der Kreditzins üblicherweise über dem Referenzzins.

  • Die voraussichtliche Entwicklung der Zinsen
    Banken treffen auch Annahmen über die künftige Zinsentwicklung am Markt. Gehen sie davon aus, dass die Zinsen eher steigen werden, erhöhen sie für gewöhnlich im Vorhinein schon ihre Kreditzinsen.

  • Das Risiko für die Bank
    Banken riskieren bei der Kreditvergabe, verliehenes Geld nicht zurückzubekommen. Je größer dieses Risiko ist, desto höhere Sollzinsen verlangen sie als Ausgleich. Ein hohes und sicheres Einkommen oder auch viel Eigenkapital bei der Baufinanzierung belohnen die Banken dagegen oft mit besonders günstigen Zinsen.

  • Aufschläge für Sonderleistungen
    Gerade bei der Immobilienfinanzierung gibt es Leistungen, die schon im Sollzins eingepreist werden. Dazu gehört beispielsweise ein erweitertes Sondertilgungsrecht.

Zinssatz Nummer 2

Der effektive Jahreszins (kurz: Effektivzins)

Effektivzins Definition:

Was ist der effektive Jahreszins?

Über den effektiven Jahreszins wird gerne gesagt, er bilde im Gegensatz zum Sollzins die jährlichen Gesamtkosten eines Kredites ab. Zusätzlich zum Sollzinssatz, so die geläufige Erklärung, beinhalte der jährliche Effektivzins auch alle sonstigen anfallenden Gebühren.

Solche Beschreibungen sind aus zwei Gründen problematisch:

  • Der Effektivzins mag Kosten beinhalten, die zusätzlich zum Sollzins anfallen. Er enthält aber längst nicht alle Gebühren, die mit einem Kredit auf Sie zukommen können.

  • Der Effektivzinssatz ist fast immer höher als der Sollzinssatz – auch dann, wenn Sie neben den Sollzinsen keine weiteren Gebühren für Ihren Kredit zahlen.

So erkennen Sie den effektiven Jahreszins

Der Effektivzins wird (wie der Sollzins) als Zins pro Jahr angegeben. Sie erkennen ihn an der Abkürzung “eff.” in der Angabe “% eff. p. a.”

Doch wenn die gängigen Erklärungen zum Effektivzins so nicht stimmen – worin liegt der Unterschied zwischen Soll- und Effektivzins dann? Diese Frage beantworten wir im folgenden Teil.

Sollzins plus … :

Welche Kosten sind im Effektivzins enthalten? (Und welche nicht?)

Neben den Sollzinsen gibt es weitere Kosten, die bei einem Kredit anfallen können (aber nicht müssen). Allerdings muss nicht jeder Kostenpunkt immer in den Effektivzins eingerechnet werden. 

Die folgende Übersicht zeigt Ihnen, welche Kosten bei einem Ratenkredit und einer Baufinanzierung anfallen können und welche davon im Effektivzins enthalten sind:

Effektivzins beim Ratenkredit

Enthalten:

  • Sollzins

  • Kosten einer verpflichtenden Kreditabsicherung

  • vom Kunden zu tragende Vermittlungskosten

Nicht enthalten:

  • Kosten einer freiwilligen Kreditabsicherung

  • Gebühren für Ratenpausen oder Ratenänderungen

  • Gebühren für Sondertilgungen oder eine vorzeitige Gesamttilgung (Vorfälligkeitsentschädigung)

Effektivzins beim Immobilienkredit

Enthalten:

  • Sollzins

  • Kosten eines verpflichtenden Wertgutachtens

  • Abschlag auf den Auszahlungsbetrag (Disagio)

  • Kosten einer verpflichtenden Kreditabsicherung

  • vom Kunden zu tragende Vermittlungskosten

Nicht enthalten:

  • Bereitstellungszinsen

  • Kosten eines freiwilligen Wertgutachtens

  • Kosten einer freiwilligen Kreditabsicherung

  • Gebühren bei vorzeitiger Kündigung des Darlehens (Vorfälligkeitsentschädigung)

  • Gebühren für die Bestellung oder Abtretung sowie die spätere Löschung der Grundschuld

  • Notarkosten

Gut zu wissen: Banken dürfen für den Kreditabschluss keine Bearbeitungsgebühren verlangen

Im Netz findet sich ab und an noch der Hinweis, im Effektivzins seien Bearbeitungsgebühren enthalten. Das ist längst nicht mehr so. Der Bundesgerichtshof hat bereits 2014 entschieden, dass Banken für den Kreditabschluss keine Bearbeitungsgebühr verlangen dürfen. Der Aufwand, der für das Geldhaus bei Krediten entsteht, ist nach Auffassung der Richter mit dem Sollzins bereits abgegolten.

Es gibt also Gebühren, die weder im Sollzins noch im Effektivzins enthalten sind. Das hat im Wesentlichen zwei Ursachen:

  • Einige Leistungen sind freiwillig.
    Eine Restschuldversicherung zählt beispielsweise nur dann zu den Finanzierungskosten, wenn ohne sie kein Kredit zustande käme. Sichern Sie die Kreditrückzahlung auf eigenen Wunsch hin ab, muss die Bank die Kosten der Versicherung nicht in den Effektivzins einrechnen. Ähnlich verhält es sich mit dem Wertgutachten bei der Baufinanzierung.

  • Manche Kosten stehen beim Vertragsabschluss nicht fest.
    Beim Abschluss eines Kredits weiß niemand sicher, ob er künftig eine Ratenpause einlegen oder den Kredit früher als vereinbart zurückzahlen wird. Entsprechende Gebühren kann die Bank daher nicht in den Effektivzins einrechnen. Ähnlich verhält es sich mit den Bereitstellungszinsen bei der Baufinanzierung: Wie lange Sie diese zahlen müssen, hängt vor allem vom Baufortschritt ab, auf den die Bank keinen Einfluss hat.

Wenn der Sollzins noch nicht feststeht: Problemfall Immobilienfinanzierung

Per Gesetz muss der effektive Jahreszins immer für die komplette Kreditlaufzeit angegeben werden – bis zur vollständigen Tilgung. Beim Ratenkredit ist das kein Problem, bei der Baufinanzierung schon: Hier vereinbaren Sie üblicherweise keine Laufzeit, sondern eine Sollzinsbindung. Diese legt fest, wie lange der Sollzins gilt, nicht wann der Kredit zurückgezahlt ist.

Niemand weiß, wie hoch die Sollzinsen nach Ende der Zinsbindung sein werden. Die Bank muss aber eine Angabe dazu machen und rechnet daher mit den aktuellen Konditionen weiter. Dass diese Zinsen in 5, 10, 20 oder gar 30 Jahren noch aktuell sind, ist aber unwahrscheinlich. Welche Aussagekraft der Effektivzins bei der Baufinanzierung hat, darf also hinterfragt werden.

Sie sehen: Wenn Sie alle Kosten eines Raten- oder Immobilienkredites überblicken und verschiedene Finanzierungen miteinander vergleichen wollen, reicht der Effektivzins nicht aus. Er kann sogar in die Irre führen, wie wir gleich sehen werden.

Auch ohne Zusatzkosten:

Warum ist der Effektivzins höher als der Sollzins?

Der Effektivzins ist praktisch immer höher als der Sollzins, was nur manchmal nicht auffällt, weil die Zinssätze gerundet werden. Das kann an den oben genannten Gebühren liegen. Bei vielen Krediten spielen diese aber gar keine Rolle. Gerade beim Ratenkredit sind die Sollzinsen oft einziger Kostenpunkt.

Ein Unterschied zwischen Sollzins und Effektivzins gilt aber immer: Anders als der Sollzins wird der Effektivzins pro Jahr berechnet, auch wenn Sie die Zinsen pro Monat zahlen.

Was ist wichtiger Sollzins oder Effektivzins?

Beim Ratenkredit fällt der Effektivzins immer höher aus als der Sollzins. Bild: Auszug aus dem Kreditvergleich von finanzvergleich.com

Der Zinseszinseffekt erhöht den Effektivzins.

Um die Logik dahinter zu verstehen, betrachten wir die Perspektive der Bank:

Die Bank bekommt jeden Monat Zinsen von Ihnen. Nehmen wir an, sie nimmt diese Einnahmen und gewährt damit einem anderen Kunden einen Kredit zum selben Sollzins. In diesem Fall erwirtschaftet die Bank mit den von Ihnen gezahlten Zinsen erneut Zinsen – Zinseszinsen. Diese (rein theoretischen) Einnahmen der Bank sind der wahre Grund für den Unterschied zwischen Soll- und Effektivzins.

Der Effektivzins kann in die Irre führen.

Durch den Zinseszinseffekt fällt der Effektivzins umso höher aus, je häufiger Sie Ihre Raten zahlen. Bei monatlicher Tilgung ist er höher als bei vierteljährlicher, bei vierteljährlicher höher als bei halbjährlicher. Nur bei jährlicher Ratenzahlung sind Soll- und Effektivzins identisch. Es scheint, als würden Sie durch die monatliche Ratenzahlung benachteiligt.

Tatsächlich sind Ihre Kosten aber umso niedriger, je häufiger Sie Ihre Raten zahlen. Denn: Mit jeder Rate tilgen Sie auch einen Teil Ihres Kredits. Die Zinsen kosten daher mit jeder Rate weniger Geld. Je weniger Zinsen in einer Rate enthalten sind, desto mehr zahlen Sie zurück – und je schneller der Kredit zurückgezahlt ist, desto weniger kostet er.

Unterschied Sollzins vs. Effektivzins: Beispiel

Annahmen: 20.000 Euro Kreditbetrag | 84 Monate Laufzeit | 3,00 % p. a. gebundener Sollzins

Jährliche
Ratenzahlung

Effektiver Jahreszins:

3,00 %

Gesamte Zinskosten:

2.470,89 €

Halbjährliche
Ratenzahlung

Effektiver Jahreszins:

3,02 %

Gesamte Zinskosten:

2.322,53 €

Vierteljährliche
Ratenzahlung

Effektiver Jahreszins:

3,03 %

Gesamte Zinskosten:

2.248,08 €

Monatliche
Ratenzahlung

Effektiver Jahreszins:

3,04 %

Gesamte Zinskosten:

2.198,34 €

➽ je kürzer das Ratenintervall, desto höher der effektive Jahreszins, aber desto niedriger zugleich die Gesamtkosten

Was ist wichtiger Sollzins oder Effektivzins?

Auf den Punkt gebracht:

Der Zinseszinseffekt sorgt dafür, dass der Effektivzins praktisch immer höher ausfällt als der Sollzins. Für Sie als Kreditnehmer spielt das aber keine Rolle. Denn Sie zahlen keine Zinseszinsen für Ihren Kredit. Der effektive Jahreszins ist damit nur bedingt aussagekräftig.

Uniform-Methode, PAngV & Co.:

Wie wird der Effektivzins berechnet?

Den effektiven Jahreszins aus dem Sollzins zu berechnen, ist nicht einfach. Da ist die sinkende Restschuld auf der einen Seite, der Zinseszinseffekt auf der anderen. Noch schwieriger wird es, wenn Sie den Sollzins aus dem Effektivzins berechnen wollen. In dem Fall sind komplexe, iterative Rechnungen nötig, die wir hier nicht abbilden können.

Was wir Ihnen aber bieten können, ist ein einfacher Rechner für Excel, der die Berechnung für Sie erledigt. Mit nur wenigen Angaben ermittelt er den Effektivzins aus dem Sollzins und umgekehrt – auch für Kredite zum Minuszins.

Was ist wichtiger Sollzins oder Effektivzins?

Unterschied Sollzins & Effektivzins berechnen mit Excel

Mit unserem kostenlosen Effektivzinsrechner für Excel ermitteln Sie schnell und einfach den effektiven Jahreszins aus dem Sollzins – ganz gleich, ob Sie Ihren Kredit in monatlichen, vierteljährlichen, halbjährlichen oder jährlichen Raten zurückzahlen.

Auch die umgekehrte Rechnung vom Effektivzins zum Sollzins ist mit dem Rechner möglich.

Effektivzins berechnen mit Excel – jetzt kostenlos herunterladen »

Einfach, aber wenig zuverlässig: die Uniform-Methode

Mit der Uniform-Methode können Sie den Effektivzins näherungsweise bestimmen, sofern Sie die Gesamtkosten Ihres Kredits bereits kennen.

Effektiver Jahreszinssatz = (Kreditkosten / Nettodarlehensbetrag) * [24 / (Laufzeit in Monaten +1)]

Allerdings: Das Ergebnis weicht mitunter vom tatsächlichen Effektivzins eines Kredits ab. Denn die Banken selbst arbeiten nicht mit dieser Effektivzins-Formel, sondern richten sich nach den rechtlichen Vorgaben der Preisangabenverordnung, kurz PAngV.

Tipps für den Kreditvergleich

Fazit: Achten Sie bei Krediten nicht nur auf die Zinssätze

“Der effektive Jahreszins beinhaltet neben dem Sollzins alle weiteren anfallenden Kosten eines Kredites.”
“Im Gegensatz zum Sollzins bildet der Effektivzins die tatsächlichen Kosten eines Kredites ab.”
“Im jährlichen Effektivzins sind auch alle Nebenkosten enthalten.”
“Nur der effektive Jahreszins eignet sich für einen Kreditvergleich.”

Wenn man solche Formulierungen liest, scheint der Unterschied zwischen Sollzins und effektivem Jahreszins klar. Leider stimmen sie nicht. Der Effektivzinssatz beinhaltet nicht alle Kosten eines Darlehens und seine Höhe wird nicht allein durch die Kosten bestimmt.

Unser Rat:

Achten Sie beim Kreditvergleich nicht nur auf die Zinssätze. Schauen Sie sich alle wichtigen Zahlen an – von der monatlichen Rate über den Gesamtbetrag bis hin zu Einzelgebühren (etwa für Sondertilgungen). Nur so wissen Sie sicher, was ein Kredit für Sie bedeutet und welcher Kredit für Sie am günstigsten ist.

Statt Sollzins und Effektivzins:

Darauf sollten Sie beim Kreditvergleich achten

Monatliche Rate

Kredite mit gleicher Darlehenssumme und gleicher Laufzeit können Sie leicht über die monatliche Rate miteinander vergleichen. Diese bildet zwar nicht alle Einzelgebühren ab. Dafür aber zeigt Ihnen die Rate, welche monatliche Verpflichtung auf Sie zukommt. So können Sie einschätzen, ob Sie sich den Kredit mit Ihrem Budget auch leisten können.

Gesamtbetrag

Bei größeren Finanzierungen wie einem Immobilienkredit können schon kleine Unterschiede beim Zins einen Kostenunterschied von mehreren Tausend Euro bedeuten. Es lohnt sich daher, bei einem Kreditvergleich auf den Gesamtbetrag zu achten. Er bildet die Summe aller monatlichen Raten ab und eignet sich auch für den Vergleich von Krediten mit unterschiedlichen Laufzeiten.

Einzelgebühren

Ihnen sind Sondertilgungen wichtig? Oder Sie möchten einen Neubau finanzieren, bei dem die Auszahlung des Kredits nach Baufortschritt erfolgt? Dann sollten Sie auf Einzelkosten wie die Vorfälligkeitsentschädigung oder Bereitstellungszinsen achten. Diese sind nicht im Zinssatz, der monatlichen Rate oder im Gesamtbetrag enthalten. Hier hilft nur der Blick ins Kleingedruckte.

zum Kreditvergleich »

zum Baufinanzierungsvergleich »

Weitere Fragen zum Thema Kreditzinsen

Was ist ein guter effektiver Jahreszins?

Was als guter und was als schlechter Effektivzins gewertet werden kann, hängt von einigen Faktoren ab. Dazu gehört zum Beispiel das aktuelle Zinsniveau. Aber auch Ihre persönlichen finanziellen Verhältnisse sind entscheidend.

Eine pauschale Antwort gibt es also nicht. Man könnte aber sagen: Ein guter effektiver Jahreszins ist einer, der sowohl gemessen am aktuellen Zinsniveau als auch im Vergleich mit anderen auf Sie zugeschnittenen Kreditangeboten besonders günstig ausfällt.

Wie hoch sind die aktuellen Kreditzinsen?

Einen Überblick über die aktuell üblichen Zinsen erhalten Sie in unseren Kreditvergleich und unseren Baufinanzierungsvergleich.

Wie sieht der Unterschied zwischen Sollzins und Effektivzins beim Bausparvertrag aus?

Ein Bausparvertrag als Kombination aus Spar- und Kreditvertrag ist ein Sonderfall. Das wirkt sich auch auf die Berechnung des effektiven Jahreszinses aus. Da die Kredithöhe bei Abschluss des Vertrags noch nicht feststeht und die Abschlussgebühren manchmal falsch verrechnet werden, fällt der tatsächliche Effektivzins beim Bausparvertrag oft anders aus als angegeben. Details dazu finden Sie bei der Stiftung Warentest.

Was bedeutet Repr. Beispiel nach § 17 PAngV?

Banken sind gesetzlich verpflichtet, zu jedem Kreditangebot ein repräsentatives Beispiel anzugeben, das die realistischen Kosten eines Kredits beziffert. Dieses Beispiel dient vor allem dazu, sogenannte Schaufensterzinsen zu entlarven – also Zinssätze, die zwar besonders niedrig sind, zu denen aber kaum jemand den Kredit erhält. Wie genau dieses Beispiel auszusehen hat, regelt § 17 der Preisangabenverordnung, kurz PAngV.

Mehr Infos zu diesem Thema finden Sie auch in unserem Beitrag zum Zweidrittelzins.

Woher wir unsere Informationen beziehen

Unser Anspruch ist es, Ihnen alle wichtigen Informationen zu liefern, die Sie zum Treffen einer finanziellen Entscheidung benötigen. Dafür vertrauen wir nicht nur auf unsere Erfahrung, sondern investieren auch viel Zeit in eine ausführliche Recherche. Dabei stützen wir uns möglichst auf Informationen aus erster Hand.

Für diesen Beitrag haben wir unter anderem folgende Quellen herangezogen:

  • Gesetzliche Regelungen gemäß Preisangabenverordnung (§16 PAngV, §17 PAngV und Anlage zur PAngV)
  • Urteile des Bundesgerichtshofs zum Thema Bearbeitungsgebühren (XI ZR 170/13 und XI ZR 405/12)
  • Informationen der Bafin zur Restschuldversicherung und deren Einrechnung in den effektiven Jahreszins

Beachten Sie aber bitte, dass wir trotz gewissenhafter Recherche die Aktualität und Richtigkeit unserer Beiträge nie zu 100 % garantieren können.

Sie haben einen Fehler entdeckt? Ihnen fehlt eine wichtige Information, die wir in den Beitrag aufnehmen sollten? Dann kontaktieren Sie gern die Redaktion per E-Mail (keine Beratung).

Was ist wichtiger Sollzins oder Effektivzins?

Rudolf Krux Finanzredakteur Geldanlage & Geschäftskonten

Rudolf Krux schreibt auf finanzvergleich.com schwerpunktmäßig über Grundfragen der Geldanlage und Neuerungen im Bereich Geschäftskonten. Zuvor hat er sich bei Check24 als Finanzredakteur mit dem Vergleich verschiedener Bankprodukte beschäftigt, bei Utopia.de unter anderem mit Nachhaltigkeitsfragen im Finanzbereich. In seiner Freizeit arbeitet er seit vielen Jahren daran, sein persönliches Aktiendepot beständig zu erweitern und auszubalancieren.

Was ist wichtiger effektiver Jahreszins oder Sollzins?

Auch wenn der effektive Jahreszins aussagekräftiger ist als der Sollzins, was Ihre finanzielle Gesamtbelastung angeht, so beinhaltet er doch nicht alle Kostenpunkte des Darlehens. Im Effektivzins nicht eingerechnet werden: Kontoführungsgebühren. Kosten für eine Restschuld- oder Kreditversicherung.

Welcher Zinssatz ist wichtig?

Viel aussagekräftiger ist der Effektivzins. Er muss mittlerweile von jeder Bank angegeben werden und beschreibt die jährlichen Gesamtkosten des Kredites. So wird das Vergleichen von Krediten für den Verbraucher einfacher.

Welcher Zins ist ausschlaggebend?

Für die Höhe des Effektivzinses sind u. a. folgende Faktoren ausschlaggebend: die Höhe der Sollzinsen. die Höhe der Gebühren, die bei der Bank anfallen. die Höhe der monatlichen Tilgung.

Was ist besser hoher oder niedriger Effektivzins?

Der effektive Jahreszins liegt in der Regel höher als der Sollzins, da in ihn weitere Kostenfaktoren für die Kreditaufnahme eingerechnet sind. Damit eignet sich der effektive Jahreszins besser zur Finanzplanung und zum Kreditvergleich als der Sollzins.