Wer bekommt den Unterhalt wenn das Kind auszieht?

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Unterhalt von Eltern und Staat:Mit 18 raus aus dem Haus

10. Mai 2010, 23:07 Uhr

Lesezeit: 5 min

Auszug aus dem "Hotel Mama": Wann volljährige Kinder Anspruch auf eine eigene Bleibe haben und was Eltern und Staat dazu beisteuern müssen.

Rolf Winkel

Der Umzug in die eigenen vier Wände wird von 1. April an für junge Erwachsene erschwert. Das gilt jedenfalls für Hartz-IV-Empfänger und diejenigen, die Arbeitslosengeld II beantragen. Was aber gilt für volljährige Kinder, deren Eltern nicht finanziell bedürftig sind? Wann müssen sie ihren Sprösslingen eine eigene Bude finanzieren - und wann nicht?

Dürfen Volljährige eine eigene Wohnung nehmen?

Selbstverständlich. Wer 18 Jahre alt ist, darf seinen Wohnsitz frei wählen. Soweit junge Erwachsene finanziell auf eigenen Füßen stehen, brauchen sie weder ihre Eltern noch ein Amt um Erlaubnis zu fragen, wenn sie eine eigene Wohnung mieten wollen.

Auch ein 18-jähriger Schüler oder ein Arbeitsloser darf grundsätzlich von zu Hause ausziehen und eine eigene Wohnung anmieten. "Allerdings muss er dann dafür auch das Geld haben - die Eltern sind meist nicht verpflichtet, ihm eine eigene Bleibe zu finanzieren", erläutert Eva Gerz, Fachanwältin für Familienrecht aus dem rheinischen Brühl.

Wie weit geht die Unterhaltspflicht der Eltern?

Mutter und Vater müssen nach dem Bürgerlichen Gesetzbuch (BGB) zwar auch für volljährige Kinder weiterhin Unterhalt zahlen - in der Regel gilt das aber nur bis zur Beendigung der Berufsausbildung oder des Studiums. "Die Eltern haben in diesen Fällen jedoch das Recht, selbst zu bestimmen, wie sie den Unterhalt leisten", erklärt Eva Gerz. Entweder lassen sie ihr erwachsenes Kind weiterhin bei sich wohnen, kommen für seinen Lebensunterhalt auf und gewähren ihm zusätzlich ein "Taschengeld". Das nennt sich dann "Naturalunterhalt". Oder sie zahlen dem Kind eine eigene Wohnung samt Lebensunterhalt. Dann gewähren sie ihrem Sohn oder ihrer Tochter "Barunterhalt". Geregelt ist dies in Paragraph 1612 Absatz 2 BGB. "Wenn die Eltern die Wahl haben, entscheiden sie sich meistens für den Naturalunterhalt", so Anwältin Gerz. "Dieser ist zum einen meist erheblich preiswerter, und zum anderen gehen wohl viele Eltern davon aus, dass es für die Kinder besser sei, weiter zu Hause zu wohnen."

Was ist, wenn das Kind das anders sieht als die Eltern?

Wenn das erwachsene Kind dafür - so das BGB - "besondere Gründe" vorbringen kann, können die Eltern dazu verpflichtet werden, ihm eine eigene Bleibe zu finanzieren. Im Streitfall muss darüber - auf Antrag der Tochter oder des Sohnes - das Familiengericht befinden. "Bei einer tief greifenden Entfremdung zwischen beiden Seiten gestehen die Gerichte den Kindern deshalb meist Barunterhalt zu." Das gelte allerdings nicht, wenn die Entfremdung allein auf ein "provozierende Verhalten des Kindes" zurückzuführen ist.

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Familienkasse

25.08.2021 - Gestern sind sie noch klein und süß und heute ziehen sie plötzlich in eine eigene Wohnung. Sobald Kinder aus dem Elternhaus ausziehen, stellen sich finanzielle Fragen: Wie lange besteht noch Anspruch auf Kindergeld? Ist die Ausbildung dabei wichtig? Hier kommen die Antworten.

  • Eltern oder Kind: Wer hat Anspruch auf Kindergeld?
  • Eigene Wohnung während des Studiums oder der Ausbildung: Wer bekommt das Kindergeld?
  • Zweite Ausbildung und Zuverdienst: Wann gibt es kein Kindergeld mehr?
  • Eigene Wohnung und Job: Gibt's trotzdem Kindergeld?
  • Behindertes Kind: Gibt es das Kindergeld noch länger?

Eltern oder Kind: Wer hat Anspruch auf Kindergeld?

Man könnte meinen, das Kindergeld stünde den Kindern zu – stimmt aber nicht. Der Rechtsanspruch aufs Kindergeld liegt bei den Eltern, die es als Unterstützung nutzen sollen, um ihren Nachwuchs zu versorgen. An diesem Rechtsanspruch ändert sich auch dann nichts, wenn das Kind von zu Hause auszieht und jetzt eine eigene Wohnung hat. In aller Regel sind es immer noch die Eltern, die vom Staat das Kindergeld erhalten – und es nach wie vor für ihre Kinder verwenden müssen.

Außerdem sind die meisten Eltern unterhaltspflichtig, d. h. sie müssen die ausgezogenen Kinder unterstützen – entweder als Barunterhalt (Geld) oder als Naturalunterhalt (Kost und Logis). Das Kindergeld wird mit diesem Unterhaltsanspruch verrechnet.

Eigene Wohnung während des Studiums oder der Ausbildung: Wer bekommt das Kindergeld?

Spätestens wenn Ihr Kind volljährig wird und für einen Studienplatz wegzieht, stellt sich die Frage: Wer bekommt eigentlich das Kindergeld? Immerhin muss der Nachwuchs sich jetzt selbst versorgen und z. B. die Miete für eine eigene Wohnung zahlen – ohne elterliche Unterstützung oft unmöglich. Wenn das Kind zum ersten Mal studiert und unter 25 ist, zahlt Ihnen der Staat weiter das volle Kindergeld aus.

Führt das Kind einen eigenen Haushalt und erhält von seinen Eltern keinen Unterhalt, kann das Kindergeld auch direkt an den Nachwuchs ausgezahlt werden. Dafür muss der Spross allerdings einen sogenannten Abzweigungsantrag bei der Familienkasse stellen.

Wie viel Unterhalt bekommt mein Kind im Studium?

Der Bedarf von Studenten wird i. d. R. pauschal auf 860 Euro festgesetzt – unabhängig vom Einkommen der Eltern (Stand: August 2021). Wenn es um die Unterhaltsansprüche von Kindern geht, lohnt sich generell ein Blick in die Düsseldorfer Tabelle – die ist rechtlich nicht bindend, aber die meisten Richter nutzen sie als Entscheidungshilfe bei Unterhaltsstreitigkeiten.

Welcher Elternteil das Kindergeld bekommt, richtet sich danach, wer dem Kind den höchsten Barunterhalt zahlt. Bei zusammenlebenden Eltern ist das natürlich kein Problem, bei getrennt lebenden schon eher.

Damit hier keine Streitigkeiten aufkommen, sollten Sie den Auszug aus der elterlichen Wohnung immer gleich der zuständigen Familienkasse mitteilen. Die berechnet anhand der Einkommen der Elternteile, wer wie viel Unterhalt zu zahlen hat. Entsprechend wird dann auch das Kindergeld an denjenigen gezahlt, der mehr in die Ausbildung des Nachwuchses steckt. Das passiert nicht unbedingt automatisch; ggf. müssen Sie einen Antrag stellen, falls bisher der andere Elternteil das Kindergeld bekommen hat.

Wer bekommt den Unterhalt wenn das Kind auszieht?

Pexels/Abby Chung

Egal ob im Inland oder ein Japanologie-Studium im Ausland: Das staatliche Kindergeld steht den Erziehungsberechtigten weiterhin zu.

Zweite Ausbildung und Zuverdienst: Wann gibt es kein Kindergeld mehr?

Der Student legt für seine akademische Ausbildung drauf – aber der Azubi verdient sein eigenes Geld, wenn auch meist nicht viel. Besteht ein Anspruch auf Kindergeld auch dann noch, wenn das Kind volljährig ist, in eine eigene Wohnung zieht und ein Ausbildungsgehalt bekommt? Ja, der Anspruch bleibt bestehen, wenn es zum ersten Mal eine Berufsausbildung absolviert.

Früher gab es noch aufwendige Einkommensprüfungen, wenn es ums Kindergeld für erwachsene Kinder ging. Heute entfällt das: Es ist egal, wie viel die Kinder während ihrer ersten Ausbildung verdienen oder im Studentenjob dazuverdienen.

Auch bei einer Zweitausbildung oder einem Zweitstudium Ihres Nachwuchses bis zum 25. Geburtstag können Sie unter bestimmten Voraussetzungen noch Kindergeld erhalten. In der Regel muss erkennbar sein, dass Ihr Kind sein angestrebtes Berufsziel noch nicht erreicht hat. Außerdem darf der Nachwuchs übers Jahr verteilt durchschnittlich nicht mehr als 20 Stunden pro Woche arbeiten. Gelegentliche Ausnahmen bestätigen wie immer die Regel.

Eigene Wohnung und Job: Gibt's trotzdem Kindergeld?

Ist Ihr Kind volljährig, hat seine berufliche oder akademische Ausbildung abgeschlossen und zieht in eine eigene Wohnung, besteht in der Regel kein Anspruch mehr auf Kindergeld.

Ein paar Ausnahmen gibt es aber trotzdem:

  • Das Kind ist arbeitslos bzw. arbeitssuchend gemeldet. Dann besteht der Anspruch weiterhin bis zum 21. Geburtstag.
  • Ihr Kind kann nur eine geringfügige Beschäftigung ergattern (bis zu 450 Euro). Kindergeld gibt es dann bis zum 21. Geburtstag.

In allen anderen Fällen gilt: Ihr Kind kann mit einer abgeschlossenen Ausbildung und einem Job für sich selbst sorgen. Die Familienkasse leistet daher keine finanzielle Unterstützung mehr in Form von Kindergeld.

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Behindertes Kind: Gibt es das Kindergeld noch länger?

Beim Auszug aus der elterlichen Wohnung besteht grundsätzlich Anspruch auf Kindergeld bis zum 18. (oder im Falle einer Ausbildung bis zum 25.) Geburtstag – aber es gibt auch Ausnahmen. Ist Ihr Kind behindert und kann seinen Lebensunterhalt selbst nicht bestreiten, lohnt sich ein Antrag auf Verlängerung. Dabei muss die Behinderung des Kindes vor seinem 25. Geburtstag festgestellt und ärztlich attestiert worden sein. Entscheidend ist aber auch, wie viel das Kind im Jahr verdient. Kindergeld erhalten Sie nur, wenn der Nachwuchs seinen Lebensbedarf nicht alleine finanzieren kann.

Im Zweifelsfall gilt: Halten Sie Rücksprache mit Ihrer zuständigen Familienkasse. Bei einem behinderten Kind können Ansprüche auf weitere Sozialleistungen und finanzielle Förderungen bestehen. Inwiefern die das Kindergeld beeinflussen, kann Ihnen eine Beraterin beziehungsweise ein Berater der Familienkasse am besten erklären.

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Kann ich den Unterhalt direkt an das Kind zahlen?

Kann ich den Unterhalt direkt an das Kind zahlen? Ab Vollendung des 18. Lebensjahrs haben Kinder einen Anspruch auf Barunterhalt gegenüber beiden Eltern. Im Falle von getrennt lebenden Eltern auch von dem Elternteil, bei dem das Kind lebt.

Wem steht der Unterhalt des Kindes zu?

Nach § 1601 BGB sind Verwandte in gerader Linie verpflichtet, einander Unterhalt zu gewähren. Verwandte in gerader Linie sind die Großeltern, Eltern, Kinder und deren Abkömmlinge. Unterhaltspflichtig sind demnach insbesondere Eltern ihren Kindern, aber auch Kinder gegenüber ihren Eltern.

Kann ich meine 20 jährige Tochter rausschmeißen?

Dem volljährigen Kind steht dabei kein Recht mehr zu, in der elterlichen Wohnung zu leben. In der von den Eltern bewohnten Wohnung steht den Eltern das Hausrecht zu. Danach können sie auch von ihrem volljährigen Kind verlangen, dass dieses auszieht.

Was bekomme ich von meinen Eltern wenn ich ausziehe?

Für volljährige Kinder, welche Anspruch auf Barunterhalt haben und eine eigene Wohnung mieten, oder wie du mieten wollen, beträgt der Unterhaltsbedarf 670 Euro monatlich, egal ob Schüler, Student, Azubi. Hierbei sind 280 € für Unterkunft mit Nebenkosten u.